Lyrikwettbewerb 2010
„Nachwuchslyriker beweisen tiefe Gefühle und kreative Sprache“: So titelte der Weser Kurier in der Rubrik „Regionale Rundschau“ am 19. Juni 2010.
Und tatsächlich ist der jedes zweite Jahr durchgeführte Lyrikwettbewerb für unsere Schülerinnen und Schüler zu einer festen und eifrig genutzten Möglichkeit geworden, ihre Sicht der Welt, ihre Gefühle in Versform oder freien Rhythmen auszudrücken.Im Vorfeld hatte die Fachkonferenz Deutsch für jeweils einen Doppeljahrgang das Thema und die sprachlich-formalen Anforderungen festgelegt, die die Gedichte erfüllen sollten.
- Die 5. und 6. Klassen sollten zum Thema „Natur im Wechsel der Jahreszeiten“ 3 Strophen à 4 Verse, verbunden durch Paar- oder Kreuzreim, verfassen.
- Für die 7. und 8. Klassen lautete das Thema: „Menschliche Gefühle“. Die Sprache sollte sich durch eine gelungene Metaphorik auszeichnen.
- Letzteres galt auch für die 9. und 10. Klassen, die ihre Sichtweise zum Thema „Moderne Welt“ in Verse oder freie Rhythmen fassen sollten.
- Die Gedichte konnten in besonders gestalteter Form oder ungestaltet eingereicht werden. Die Bereiche „Text“ und „Gestaltung“ wurden getrennt bewertet.
Dann waren die NachwuchslyrikerInnen an der Reihe. Jede Klasse wählte anschließend die drei besten Gedichte aus, die in anonymisierter Form Jurys aus Deutschlehrkräften vorgelegt wurden, die nicht im jeweiligen Jahrgang unterrichteten. Sie ermittelten aus den eingereichten Gedichten jeweils die/den erste/n und zweite/n Sieger/in.
Am 18. Juni 2010 fand im Forum der KGS eine kleine Feierstunde statt. Dort trugen die siegreichen Schülerinnen und Schüler ihre Gedichte vor und erhielten als Anerkennung für ihre dichterischen Leistungen Urkunden und Büchergutscheine, die von der Firma Schüttert gestiftet wurden. Ein herzlicher Dank dafür!
Pia Teller (G 5c), Benita Krützfeld (5b) und Kalle Sappa (G 6b) wurden dafür ausgezeichnet, dass sie ihre Gedichte besonders liebevoll und passgenau zu den Texten gestaltet hatten.
Im Haupt- und Realschulzweig des Doppeljahrgangs 5/6 siegte Hannah Landwehr (5b) mit „Winter 2010“ vor Jan Philipp Hagedorn (5e) mit „Bäume und Blumen“. Im Gymnasialzweig setzte sich Janika Scherbaum (G 5c) mit dem Gedicht „Frühling“ gegen Mona Moritz (G 6c) mit „Fluss der Jahreszeiten“ durch.
Aus den 7./8. Klassen des Hauptschulzweiges wurden Kimberly Bögershausen (H 8a) mit dem Gedicht „Schmerz oder Liebe“ vor Georgios Toregas (H 8a) mit „Schmerz mit Tränen“ ausgezeichnet. Erste im Realschulzweig Klasse 7/8 wurde Deniz Papoutsalakis (R 8a) vor ihrer Klassenkameradin Kira Köhrmann mit „Vorbei“. Im Gymnasialzweig überzeugte Lea Pünter (G 8b) die Jury mit ihrem vor Kreativität sprühenden Gedicht „Die Betrachtung“; zweite Siegerin in G 7/8 war Julia Kämmerer mit „Die Trauer“.
Im Gymnasialzweig der 9. und 10. Klassen bekam Kathrin Krüger (G 9c) von der Jury den ersten Preis vor ihrer Klassenkameradin Antonia Finke zuerkannt. Einen Sonderpreis für das aus seinem Gedicht sprechende menschliche Engagement erhielt Nils Heinrich (R 10a), der in seinen Schlusszeilen an die Menschheit appelliert, sich als eine Welt zu begreifen und gemeinsam gegen Hunger und Elend vorzugehen.
Aus den vielen gelungenen Gedichten auszuwählen, fällt schwer. Hier ein Versuch:
Hier das Siegergedicht „Winter“ von Hannah Landwehr:
Der Sommer stupst den Winter an:
Du musst jetzt endlich geh’n
Die andern sind voll Ungeduld
Und woll’n den Frühling seh’n.
Der Winter denkt sich:
Ach, was soll’s, ich pack jetzt lieber ein,
sonst meckern alle über mich,
das muss nicht wirklich sein!
Der Frühling ist ganz aufgeregt:
Die Blumen könn‘ jetzt blüh’n.
So werden Beete angelegt
und alle Herzen sprüh’n.
Gefühle der Trauer hat Deniz Papoutsalakis in ihrem Gedicht in Worte gefasst, das Anklänge an „Der Panther“ von Rainer Maria Rilke erkennen lässt:
Jeden Tag wache ich auf,
vermisse es, geliebt zu werden.
Kann mit niemandem darüber reden,
niemand, der mich versteht.
Stumme Schreie.
Bin gefangen in meinem Käfig,
voller Trauer.
Fühle mich einsam und hilflos,
werde von jedem wahrgenommen,
doch keiner will sehen,
wie ich mich fühle.
Nachts dann, die Fragen in meinem Kopf,
sie nehmen kein Ende.
Bin gefangen in mir selbst
und in meinem Käfig voller Trauer.
Schließe meine Augen,
mein Atem wird langsam.
Ich träume von dem unbekannten Land.
Wie kreativ Gefühle in Sprache umgesetzt werden können, hat stellvertretend Lea Pünter mit ihrem Gedicht „Betrachtung“ gezeigt:
Mein Kindchen
mein Wirbelwindchen
mein Fiebersterbendes
mich zum Schluss beerbendes
mein Blondimäuschen
meine Lockenkönigin
bin aus dem Häuschen
sehe ich zu dir hin
mein Wortwasserfall
mein fast überall
mein bist du verschwunden
gesucht und gefunden
meine Sorge?
ach was
Mein Lachen
mein Spaß
mein ganzes Geld
auch meine Welt
halb du und halb ich
sag nicht, man sieht’s nicht
mein zorniges, bolkiges
zickendes, sprühendes
und leise zu dem was wir heute sind
blühendes.
Claudia Götz
Fachbereichsleiterin Deutsch
